Die Altmark

Viel zu oft höre ich in Berlin die Frage: „Altmark, wo ist das?“.

Viele Berlinerinnen und Berliner wissen nicht, dass sie diese schöne Region im Norden Sachsen-Anhalts mit all ihrem Charme, ihrer Natur und ihrer interessanten Historie binnen einer Stunde erreichen können! Deshalb möchte ich hier meinen Wahlkreis vorstellen.

Die Altmark ist flächenmäßig einer der größten Wahlkreise der Bundesrepublik. Sie umfasst eine Fläche von 4.700 km² und ist damit ungefähr so groß wie die vier kleinsten Bundesländer zusammen genommen. Da auf dieser großen Fläche „nur“ 204.000 Menschen leben, ist viel Raum für Natur und Landwirtschaft.

Kleine und mittelständische Unternehmen bieten Branchenvielfalt und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) interessante und auch einzigartige Studiengänge. Die idyllische Natur der Altmark lädt auf fast 700 Kilometern zu Wanderungen ein. Natürlich kommen auch die Freundinnen und Freunde des Fahrrades nicht zu kurz, so führt auch der beliebte Elberadweg durch die Altmark. Auch kulturell haben die Städte und Gemeinden einiges zu bieten: entlang der Straße der Romanik sind an zwölf Orten Klöster, Kirchen und ein Dom zu besichtigen und die Künstlerstadt Kalbe an der Milde lädt ebenfalls zum Besuch ein.

Tauchen Sie ein in die schönen Reize unserer Altmark. Ich lade Sie ein, mich auf einer kurzen Rundreise durch den Wahlkreis 66 – Altmark – zu begleiten:

Der Wind:
Wichtige Energiequelle, früher und heute.

Weit ist der Horizont der Altmark mit ihren vielfältigen Landschaften: dem Niedermoor des Drömling, der Colbitz-Letzlinger Heide, den bis zu 160 m hohen “Bergen” im Herzen der Mark oder auch den Elbauenlandschaften und dem Wassersportparadies des Arendsees. Ideales Refugium für Naturfreunde und für Wild und seltene Vögel – und dazu der Wind, der den Altmärkern die Mühlen beschert hat, vor allem Bockwindmühlen wie in Zierau und Klietz.

Arendsee:
Erholung, gepaart mit Natur- und Landschaftsschutz.

Mindestens drei Dinge zeichnen den Arendsee aus: Er bietet hervorragende Wassersportmöglichkeiten und Badefreuden mit Strandbad und Tribüne, die Maräne – ein leckerer Fisch – tummelt sich in seinem Wasser und auch Geologen und Historiker fasziniert der See. Ein Mühlstein, der 1685 samt Mühle bei einem großen Ufereinbruch in der Tiefe verschwand, wurde drei Jahrhunderte später geborgen und ziert heute das Heimatmuseum in Arendsee. Für Taucher gibt es etwas ganz besonderes zu entdecken: am 7. Oktober 2006 wurde ein elf Meter langes ehemaliges Patrouillenboot der NVA als Tauch-Attraktion im Arendsee versenkt. Auch für kulturell Interessierte gibt es mit dem Benediktiner-Nonnenkloster, welches durch Otto I. gestiftet wurde, einen Ort, der besichtigt werden sollte.

Unter der Flagge der Hanse

Hanse

Wo heute die von Erholungssuchenden geschätzte Beschaulichkeit und Idylle eingekehrt ist, herrschte einst die in Hafenstädten und an Stapelplätzen übliche Hektik der Kaufleute, Packer und Transporteure: Werben, Havelberg, Tangermünde, Stendal, Gardelegen, Salzwedel und Osterburg gehörten vom 12.-15. Jh. dem mächtigen Bund der Hanse an. Viele Städte tragen bis heute in ihren Wappen die Farben der Hanse: Rot und Weiß. Eingebunden in eine aktive Natur und gemächlich durchflossen von der Elbe mit ihren zeitlosen Auenlandschaften, laden sie ein, zum Blättern im steinernen Bilderbuch der Geschichte.

Hansestadt Salzwedel:
Geld durch Salz und berühmt durch ein Backwerk.

“Soltwedele” an der Furt: durch die ab hier schiffbare Jeetze, die Mitgliedschaft in der Hanse und den damit verbundenen Wohlstand zählt Salzwedel zu den größten Städten in der Altmark. Davon zeugen das mittelalterliche Zentrum, prachtvolle Stadttore aus Backstein, alte Speicher, reiches Fachwerk, kurz: die Hansestadt Salzwedel besitzt Geschichte und Flair, zu dem natürlich auch der bekannte “originale”, über offenem Feuer gebackene Baumkuchen gehört.

Hansestadt Gardelegen:
Gutes Bier gab es hier stets reichlich.

Groß wurde Gardelegen mit einem Kräutertrank, dem sogenannten Garlei-Bier, dass die Hansestadt überregional bekannt machte. Der Export machte nicht nur die Bürger der Stadt wohlhabend, sondern füllte durch das zu zahlende Biergeld auch das Stadtsäckel. Bis heute ist das Stadtbild durch den alten Trunk geprägt, so wurde mit dem Geld das Rathaus und das Salzwedler Tor gebaut. Viel Altes ist erhalten geblieben, wie auch im wenig entfernten Kalbe an der Milde, der Stadt der 100 Brücken mit den Ruinen einer 1000-jährigen Wasserburg oder in der Ortschaft Wiepke mit ihrer Dorfkirche, die ein Ziel der Straße der Romanik ist.

Hansestadt Osterburg:
Geschichte, Sport und Besinnung.

Hansestadt Osterburg - Fachwerkhaus gegenüber der Nikolaikirche
Bildnachweis: Nephantz! [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons
Am Zusammenfluss von Biese und Uchte liegt die Hansestadt Osterburg. In einem der zahlreichen Fachwerkhäuser der Stadt befindet sich das Kreismuseum Osterburg, das viele regionale Fundstücke zeigt, die Geschichte der Stadt erzählt und eine öffentliche Fachbibliothek beherbergt. Mit ihrem wuchtigen Kirchturm gehört die Nikolaikirche ebenfalls zu den sehenswerten Gebäuden. Viele Sportlerinnen und Sportler aus Sachsen-Anhalt waren bereits in der Hansestadt, da sich hier die Landessportschule des Landessportbundes befindet.

Hansestadt Stendal:
Roland macht Theater.

Den Namen Hansestadt verdienten sich die Einwohner als umtriebige Händler der Stendaler Seefahrergilde im Nord- und Ostseeraum. Als Grenzstadt zum heidnischen Slawenland findet man hier eine besonders stattliche Version des überall in der Altmark verbreiteten Rolands – dem Abbild eines vorbildlichen christlichen Ritters. So verwundert es nicht, dass die Stendaler ihr Stadtfest als Rolandfest begehen und sich über Besucher aus der ganzen Welt freuen. Wer den Roland gefunden hat, sollte die Chance nutzen und sich das Rathaus mit seinen Renaissancegiebeln und die Ratskirche St. Marien ansehen. Fußläufig erreichbar ist auch das Theater der Altmark, eines der kulturellen Zentren der Region und mit vielen Produktionen von Puppenspiel bis Oper breit aufgestellt.

Hansestadt Tangermünde:
Rolle als Hauptstadt verspielt.

Als den Bürgern Tangermündes im 15. Jh. die Steuern und insbesondere der Zins aufs Bier zu hoch wurden, revoltierten sie – und verspielten die Zukunft der Kaiserstadt als deutsche Hauptstadt. Karl IV. hatte sie rund 100 Jahre zuvor neben Prag zu seiner zweiten Residenz gemacht und den stark befestigten Fernhandelsmarkt an der Mündung des Tanger in die Elbe weiter ausgebaut. Die ihm in der Herrschaft folgenden Hohenzollern zeigten sich dann ob des Bürgertrotzes verärgert und zogen mit ihrer Residenz um – nach Cölln-Berlin. Heute können Besucherinnen und Besucher die vielen gut erhaltenen Fachwerk- und Backsteinbauten besichtigen, die dank der hohen Lage des historischen Stadtkerns vor den Fluten der Elbe geschützt sind. Insbesondere das Rathaus mit seiner spätgotischen Schauwand, die St. Stephanskirche und die „Salzkirche“ Sankt-Elisabeth-Kapelle sind einen Besuch wert. Wer eine Nacht in Tangermünde verbringen will, kann dies zum Beispiel in der über 1000 Jahre alten Burg Tangermünde, die heute als Schlosshotel genutzt wird.

Hansestadt Havelberg:
Pferdemarkt / Heiratsmarkt seit 800 Jahren.

Den idyllischen Winkel, wo sich Elbe und Havel vereinen, prägen beschauliche Fischerdörfer, ausgedehnte Wiesen und die Dom- und Inselstadt Havelberg – einst umkämpftes Heiligtum heidnischer Wenden. Im Sommer locken Naturschutzgebiete und Badeseen, am ersten Septemberwochenende der seit 1170 stattfindende Pferdemarkt und übers ganze Jahr das Prignitzmuseum, das zurückführt in die Zeit der germanischen Göttin Frau Harke.

Diesdorf:
Im Märzen der Bauer…

Spätestens wenn der Karneval vorbei ist – und der wird in der Altmark bis hin zum Elb-Havel-Winkel deftig gefeiert -, wird wieder „in die Hände gespuckt“. Die Altmark ist auch Bauernland – nachzuerleben im Diesdorfer Freilichtmuseum mit seinen Höfen, mit Speichern, dem Backhaus und der Bockwindmühle, die getreu nach alten Vorlagen wieder aufgebaut wird, der Schmiede und dem historischen Kräutergarten, wo selbst der bis zu zwei Meter hohe Braunkohl gedeiht. Auch die Straße der Romanik führt nach Diesdorf und macht an der Augustiner-Chorherren- und Nonnenklosterkirche, eine der besterhaltenen spätromanischen Bauten der Altmark, halt.

Hünengräber:
Ein Bett aus Stein für die Ewigkeit.

Die Bezeichnung Altmark ist seit dem 14. Jahrhundert belegt. Aus den eiszeitlichen Jägern und Sammlern hatte sich – zivilisationsbedingt – in der Region ein sesshafterer Menschenschlag herausgebildet, der Wert auf ein Stück Unsterblichkeit legte und sich Großsteingräber zum Beispiel bei Stöckheim, Lüdelsen, Drebenstedt, Wötz und Steinfeld baute.

Hochschule Magdeburg-Stendal

Hochschule Magdeburg-StendalMit den Fachbereichen Wirtschaft und Angewandte Humanwissenschaften ist die Hochschule Magdeburg-Stendal in der Altmark vertreten und bringt mit ihren fast 2000 Studierenden frischen Wind in die Region. Auf dem Campus heißt es lernen, lehren und forschen, eingebettet in weitläufige Grünflächen. Die Hansestadt Stendal kann dabei vor allem mit einem breiten Kulturangebot von Kneipennächten über Lesungen bis zum Theater und mit verhältnismäßig günstigem Wohnraum punkten.

Kalbe (Milde):
Künstlerstadt

Einen neuen Ansatz, die Attraktivität der Altmark zu erhöhen, bietet der Künstlerstadt Kalbe e.V. Hier haben sich Künstlerinnen und Künstler das Ziel gesetzt, die kulturelle Infrastruktur zu stärken, indem sie Bildende Kunst, Theater, Musik, Film, Fotografie und Literatur in der Region zum Thema machen oder leerstehende Häuser bewohnen und kreativ gestalten, um sie dadurch vor dem Verfall zu bewahren. Dadurch soll die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner und die Anziehungskraft für Touristinnen und Touristen erhöht werden. Eine enge Kooperation mit den Hochschulen der Umgebung soll gerade auch junge Leute für Kalbe und Umgebung begeistern.

Auf den Spuren der Reformation.

Luther kam zwar nie selbst in die Altmark, doch seinem Wirken begegnet man überall. Hier bereiteten altmärkische Studenten, die in Wittenberg zu Luthers Schülern wurden, der Reformation den Weg. Das kostete den Stendaler Stadthauptmann und einigen Bürgern den Kopf, als der Kurprinz mit 1.000 Reitern die aufmüpfige Stadt, die damals 1.210 Haushalte zählte, heimsuchte.

Von Tuchen, der Antike und französischer Literatur.

Stendals Stadtbild erzählt von der Blüte der infolge von Tuchmachern und Handel einst mächtigsten Stadt der Mark, von Feuersbrünsten und den Wirren des 30-jährigen Krieges. Und doch hat die Stadt mit den mächtigen Toren ihren Reiz und kulturellen Rang behalten, zu dem auch das Andenken an den hier geborenen Johann Joachim Winckelmann, den Begründer der modernen Archäologie, gehört. Voller Bewunderung legte sich der französische Schriftsteller Henri Beyle (Die Kartause von Parma) das Pseudonym Frederic de Stendhal zu.

Auf Fontanes Spuren.

Der Wanderstock gibt den Takt an, überlässt man sich Theodor Fontane und seinen “Gedanken über die Altmark”. Die weite Landschaft mit ihren einst stattlichen Städten voller Geschichte und Geschichten inspirierte ihn zu bester Reiseliteratur und zu meisterhaften Romanen und Novellen.

Ein Zitat: Kunst des Lebens –
Leicht zu leben, ohne Leichtsinn,
heiter zu sein, ohne Ausgelassenheit,
Mut zu haben, ohne Übermut.

Reichskanzler war Altmärker
Zu Besuch bei den Bismarcks.

Im Stendal des 13. Jahrhunderts spielen die Bismarcks als Gildemeister der Gewandschneider eine bedeutende Rolle im Stadtrat. Und auch in der Folgezeit mischen sie in der Altmark kräftig mit, bis 1815 in Schönhausen der junge Otto von Bismarck geboren wird. Er bringt es vom Deichhauptmann bis zum Reichskanzler und ist noch heute eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Deutschen Geschichte.

Jenny von Westphalen:
Frau des einflussreichsten Theoretikers des Sozialismus.

Während ihr Mann Karl Marx versuchte, die Welt zu verbessern, hielt sie die Familie zusammen. Im Jenny-Marx-Haus in Salzwedel wird an die hier geborene Tochter des Landrates erinnert – 200 Jahre Geistes- und Frauengeschichte. Das prachtvolle Fachwerk der Probstei (1578) birgt das Danneil-Museum zur uralten Geschichte der Altmark und zur Historie der Stadt, darunter einen Tafelaltar von Lucas Cranach d. J. (1582).